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»Only in sleep«
Musik zum Abend und zur Nacht

Die Nacht übt seit jeher eine Faszination auf uns aus: Sie ist nicht nur eine Zeit der Ruhe und des Schlafes, sondern steckt auch voller Magie und märchenhafter Traumwelten. Sie ist eine Zeit der Geister, Gespenster und Geheimnisse, und die Romantiker verbanden mit ihr die Sehnsucht nach dem Irrationalen, um die Rätsel des Seins näher zu ergründen.

All diese Aspekte und Gedanken spiegelten sich im Programm des Kammerchores »accentus vocalis« wieder. Eine Mischung abwechslungsreicher A-Cappella-Musik von internationalen Komponisten ließen die Zuhörer in farbige Klangwelten eintauchen. Das Stück »Only in sleep« des lettischen Komponisten Ēriks Ešenvalds, dessen Text von einem Traum längst vergangener Jugendtage erzählt, hat dem Programm dabei seinen Titel verliehen. Weitere Werke stammen aus der Feder von Brahms, Dvořák, Elgar und Rheinberger. Auch Vertonungen bekannter Abend- und Schlaflieder sind erklungen.

Sonntag, 2. September 2018 | 18 Uhr | Ev. Kirche Kölschhausen

Samstag, 8. September 2018 | 18 Uhr | Heilig-Geist-Kirche Bad Vilbel

Sonntag, 9. September 2018 | 20 Uhr | Haardter Kirche Siegen-Weidenau
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Siegener Zeitung, 12. September 2018

Zauberhaft beglückend
Kammerchor Accentus Vocalis glänzte mit hochkarätigem Programm

lip Weidenau. Einen schöneren Abschluss des Siegener Altstadtfestes und des Tages des offenen Denkmals am Sonntag konnte man sich nicht wünschen. Die 130 Jahre alte, denkmalwürdige Haardter Kirche in Weidenau hatte ihren herrlichen, von Holzemporen dominierten spätgotischen Raum für einen wunderbaren, klingenden „GuteNacht“-Traum des Kammerchors Accentus Vocalis geöffnet. Die zahlreichen Besucher erlebten ein vielfältiges, recht anspruchsvolles Konzert „Only in Sleep“ mit „Musik zum Abend und zur Nacht“.
2010 hat Peter Scholl, A-Kirchenmusiker, Dozent für Chormusik (Frankfurt) und Leiter der Kantorei St. Jacob in Frankfurt-Bockenheim, den Projektchor gegründet, der aus gesanglich geschulten Laiensängern und Musikstudenten besteht und sich zweimal im Jahr zu Projekten im Siegener und im Rhein-MainRaum trifft. Bewundernswert, wie der in Siegen geborene Scholl in nur zwei intensiven Probentagen mit seinen 27 jungen Sängerinnen und Sängern die 17 Chorstücke (fast alle a cappella) erarbeitet und zu Gesangs-Kleinodien geformt hat. Vom leisesten Pianissimo bis zum strahlenden Forte in allen Lagen vom höchsten Sopran bis zum Bass, dabei lupenrein und rhythmisch nicht aus der Bahn zu werfen: So folgten die Sänger den leisesten Impulsen ihres suggestiv führenden Dirigenten. Peter Scholl begrüßte nach dem sanften ersten Chor „Guten Abend, gut’ Nacht“ die Zuhörer und führte kenntnisreich und humorvoll in die drei Themen-Blöcke ein. „Wie ist die Welt so stille“ war der nächtlichen Natur gewidmet. Der erste Chorsatz „Waldesnacht“ von Johannes Brahms, das subtile „The Evening Primrose“ von Benjamin Britten und die großartige Max Reger’sche Version von „Der Mond ist aufgegangen“ glänzten mit zerbrechlicher Schönheit und atmeten stillen Frieden. Vor allen englischen Stücken, so auch beim folgenden, wurde der englische Text deutsch deklamiert, sehr hilfreich!
Als der Chorraum in glühendes Rot getaucht war (tolle Lichtregie während des gesamten Programms durch Mathias Scheer), bot das achtstimmige „Tyger“ von Emil Råberg einen dramatischen Umschwung: In gemischter Aufstellung und in glanzvollem Fortissimo wurden die Schönheit und Gefährlichkeit des nächtlich umherschweifenden Tigers besungen. Der schwierige Satz mit seiner vertrackten Harmonik, Rhythmik und Achtstimmigkeit wurde zum ersten Höhepunkt und erntete riesigen Beifall.
Liebesglück und Liebesleid wurden im nächsten Teil „Und ein Himmel voller Sterne“ romantisch verklärt besungen. „O schöne Nacht“ von Johannes Brahms mit schöner Klavierbegleitung von Lioba Wagner und Felix Müller gefiel ebenso sehr wie der anrührend schlichte Vortrag der Mezzosopranistin Johanna Born beim Lied „Die Lotosblume“ von Robert Schumann. Aparte Popmusik-Anklänge in „224“ (Erik Boslo) und ein wilder, liebestoller, mitreißender „Nordwind“ von Josef Gabriel Rheinberger wurden noch vom nächsten Chorsatz überflügelt! In mystisches Blau getaucht, erschienen die Sänger mit auf einen Dreiklang gestimmten, schwingenden Wassergläsern, die mit ihrem Sphären- und Sternenklang den gesummten, psalmodierten und fließenden Gesang von „Stars“ (Eriks Eenvalds) durchtönten. Magisch!
Der nächste Block „Nur im Schlaf“ bot wiederum zwei Überraschungen. Ein Frage- und Antwortspiel ertönte zwischen den Männern und den im dunklen Chorraum stehenden Frauen, die im Chorstück „Owl“ von Edward Elgar auf die Frage der Männer „What is it?“ immer nur „nothing“ antworteten. Nächster Höhepunkt war „Double, Double Toil and Trouble“, dessen eklige Zaubertrankzutaten aus Shakespeares Feder stammten und in höchst komplexen Taktwechseln, Stimmgeheul und -geflüster und bunter Beleuchtung das Publikum vergnügten. „Only in Sleep“, Eriks Esˇenvalds herrliche, klangfarbenreiche Traumszene, wurde von Kristin Knautz’ klarem Sopran überstrahlt (wesentlich für die Choreografie verantwortlich).
Nach langem Applaus und Standing Ovationen gab es noch zwei Zugaben: Rheinbergers „Abendlied“ umhüllte den gesamten Kirchenraum, und die Gläserklänge von „Stars“ holten noch einmal die Sterne vom Himmel. Zauberhaft!
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